Abstract
Das Projekt analysiert Schellings unvollendetes System, so wie es sich nach einer von ihm selbst in den spätesten Berliner Jahren bis zum Todesjahr 1854 noch vorgenommenen tiefgreifenden Revision in endgültiger und testamentarisch bekräftigter Form darstellt. Das von Schelling vorgesehene Systemgefüge aus „Philosophie der Mythologie“ und „Philosophie der Offenbarung“ kann in zwei Hinsichten ‚unvollendet‘ genannt werden: Erstens hat er die geplante Ausführung nicht ganz vollenden können und manches davon nur in separaten, zum Teil bis heute unbeachtet gebliebenen Zusatzdokumenten angedeutet; zweitens gehören zur systematisch intendierten Form des Unternehmens erklärtermaßen offene und als Brechungen einzustufende Systemstellen.
Die revidierte systematische Gestalt wurde in der Forschung bislang kaum wahrgenommen, weil die posthume Edition dieses Werkprogramms ihre systematisch-philosophischen Züge teils aus Unverständnis verwischt, teils durch wohlmeinende Eingriffe im Sinne einer falsch homogenisierenden Präsentation für die damalige Öffentlichkeit nahezu unsichtbar zu machen suchte.
Das Ziel des Projekts ist, die systematisch gebrochene Form im Kontext einer postkantischen Metaphysik in ihrer neuartigen und über die idealistische Epoche hinausweisenden philosophischen Motivik und Methodik zu erklären. Die klare und wohlüberlegte Kontur der von Schelling revidierten endgültigen Systemgestalt soll als ein kritisch-konformer Vorschlag zur Möglichkeit genereller und spezieller Metaphysik auf dem Weg ins Denken des 20. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden.