Im Mittelpunkt dieser ersten Ausgabe unseres Newsletters stehen zwei Erfahrungsberichte unserer Alumni, die Einblicke in unterschiedliche berufliche Wege nach dem Studium der Philosophie geben. Wir danken beiden sehr herzlich für Ihre Beiträge. Ergänzend finden Sie einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen an der Fakultät – von neuen Berufungen über Forschungsaktivitäten bis hin zu Veränderungen in Studium und Lehre.
Editorial von Dekan Prof. Stephan Hartmann
Liebe Alumnae und Alumni,
mit diesem Newsletter möchten wir den Kontakt zu Ihnen lebendig halten und zugleich ein Fenster in die aktuelle Entwicklung unserer Fakultät öffnen. Viele von Ihnen haben hier studiert, promoviert oder geforscht – und tragen die Philosophie der LMU heute in ganz unterschiedliche Bereiche von Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft weiter. Es ist uns ein Anliegen, diese vielfältigen Wege sichtbar zu machen und miteinander zu verbinden.
Der Newsletter soll daher mehrere Funktionen erfüllen: Er informiert über Neuigkeiten aus der Fakultät – etwa über Berufungen, Forschungsprojekte, Veranstaltungen oder Studienprogramme – und gibt zugleich Einblicke in das, was aus unseren Absolventinnen und Absolventen geworden ist. Wir möchten zeigen, wie philosophisches Denken in unterschiedlichen Kontexten wirkt und welche Wege sich daraus ergeben können.
Darüber hinaus verstehen wir diesen Newsletter als Einladung zum Austausch. Die Philosophie lebt vom Gespräch, und dieses Gespräch soll nicht mit dem Abschluss enden. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns in Kontakt bleiben, uns von Ihrem Werdegang berichten oder auch selbst Impulse geben – sei es durch Beiträge, Hinweise oder die Teilnahme an Veranstaltungen.
Unsere Fakultät entwickelt sich kontinuierlich weiter. Wir freuen uns, dass sich dies auch international widerspiegelt, etwa in der aktuellen Platzierung im QS World University Ranking, in dem die Philosophie der LMU weltweit einen hervorragenden elften Rang erreicht hat. Solche Erfolge sind nicht zuletzt auch ein Ergebnis der starken Gemeinschaft, zu der Sie als Alumni gehören.
In diesem Sinne: Bleiben wir im Gespräch.
Mit herzlichen Grüßen
Stephan Hartmann
Dekan
Alumna Rebekka Reinhard: Erwarte alles und nichts
© Rebekka Reinhard
Ich wurde 1972 in München geboren. Mein Erkennungszeichen als Kind: weitaufgerissene Augen, die wie ein Barcodescanner die Umgebung lasern. In den 1970er Jahren gibt es kein Netflix. Im TV läuft heute, Tagesschau und der beliebte „Musikladen“ mit Rock und Discopop. Und Gogo-Girls. Die Leute glotzen Hitparade, ich scanne den Himmel. Oder verwahrloste Vogelnester. Was mich fasziniert, ist alles, was wie das All grenzenlos anmutet oder irgendwie leer erscheint – „hohl“ (eines meiner ersten Lieblingsworte!) wie ein Ast. Ich frage mich: Wie kann ich das Ding mit Inhalt füllen? Mit welcher Buntstiftzeichnung, welcher Fantasie?
1992 begann ich aus einer inneren Notwendigkeit heraus ein Philosophiestudium. Wieder stehe ich mit weitaufgerissenen Augen da: Was ist Erkenntnis? Was ist Gerechtigkeit? Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Das will ich wissen. Ich beiße mich durch (ohne WLAN. Mit schweren Büchern!). Von Platon bis John Leslie Mackie. Ich promoviere mit summa cum laude. Mein intellektueller Ehrgeiz kennt keine Grenzen. Ich glaube allen Ernstes, man könne alle Probleme – auch die Probleme des wirklichen Lebens – logisch-theoretisch lösen. Wie stolz bin ich, als der Wilhelm Fink Verlag meine Diss unter dem Titel „Gegen den philosophischen Fundamentalismus: Postanalytische und dekonstruktivistische Perspektiven“ veröffentlicht. Auszug aus dem Klappentext:
„…Rebekka Reinhards metatheoretische Untersuchung stellt sich der Frage, wie aus der irreversiblen gestisch-sprachlichen Sinnkomplexion, die mit der Einsicht in die Kontingenz von Werten und Fakten einhergeht, eine Theorie ethisch-politischer Praxis entwickelt werden könnte, welche den Widersprüchen zwischen Pragmatismus und Ethizität Rechnung trägt….“
Alles klar?
Anfang der 2000er. Da ich keine Lust habe, zum Wohl der akademischen Forschung bürokratische Prozesse zu koordinieren und Kaffee zu kochen, beschließe ich ernsthaft, Romanschriftstellerin zu werden. Zur „Grundsicherung“ verfasse ich schlecht bezahlte Essays in Fachpublikationen. Hochmotiviert. Ich bin nicht nur überzeugt, mein Durchbruch stehe kurz bevor. Ich erwarte es auch vom Leben.
Stattdessen: der Cut. Eine Freundin kommt mit einer schweren Psychose in die Klinik. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Leben nie mehr „normal“ sein wird, katapultiert mich in die Realität zurück. Ich erwartete, als philosophisch hochgebildete Schriftstellerin groß rauszukommen. Stattdessen knalle ich auf den Boden. Ich wollte wissen, was Erkenntnis sei. Nun verstehe gar nichts mehr. Mein Leben kommt mir „hohl“ vor. Inhaltsleer. Absurd. „Absurd“ stammt vom lateinischen Wort „absurdum“, wörtlich „aus der Taubheit heraus“ oder „außerhalb der Harmonie“. Absurd ist die Keimzelle all dessen, was uns irreal, surreal, paradox erscheint. „Absurd“ entsteht aus der Kluft zwischen deinen Erwartungen und der Realität. Absurd ist der Konflikt zwischen deinem Sinnbedürfnis und einer Welt, die keine Lust hat, dieses Bedürfnis zu erfüllen. Wir träumen, schmieden Pläne – und ständig kommt was dazwischen. Just in dem Moment, in dem du dein Existenzchaos ordnen und einen ganz neuen Weg anschlagen willst, könntest Du ein Brustkarzinom ertasten. Oder die Liebe deines Lebens könnte dich verlassen. Oder irgendein anderes irrationales Hindernis könnte „dazwischen“ kommen. In meinem Fall war es eine Psychose, die ich aus nächster Nähe erlebte.
Ich mache eine psychotherapeutische Zusatzausbildigung und beginne, als ehrenamtliche „Konsiliarphilosophin“ in der Psychiatrie wie auch (einige Zeit später) in der Onkologie zu arbeiten. Fast acht Jahre lang nehme an den Teamsitzungen mit Assistenzärzten und Pflege teil und führe wöchentliche Einzelgespräche mit stationären Psychiatrie- und Krebspatienten. Wir philosophieren über Liebe, Angst und Glück. Über Freiheit. Und über den Tod. Ich lerne Menschen mit den ungewöhnlichsten, traurigsten, absurdesten Biografien kennen. Ich kriege Anerkennung und Wertschätzung für das, was ich tue – obwohl ich weit mehr von meinen Patienten lerne als sie von mir. All das gibt mir Halt. Es. Gibt. Mir. Meinen. Focus. Zurück.
Dann fange ich wieder an zu schreiben. Ich verfasse ein – verglichen mit meiner Dissertation, nun, sagen wir: populärphilosophisches - Buch auf Basis meiner klinischen Erfahrungen: „Die Sinn-Diät“. Es kommt 2009 im Zuge der Lehman Brothers Pleite und der globalen Finanzkrise raus, da sind „Sinn“-Produkte sehr gefragt (und, klar, junge blonde Philosophinnen). Mit 34 habe ich immer noch keinen Plan, erst recht keinen Businessplan. Immerhin verstehe ich jetzt besser, was ich kann und will. Ich beginne mir an Volkshochschulen Speaker-Skills anzutrainieren. Ich beiße mich durch. Erst halte ich Key Notes zu Themen wie Führung und Ethik bei ärztlichen Kongressen und kirchlichen Organisationen, dann für Unternehmen aller Branchen. Ich beginne, als selbstständige Philosophin von meinem Beruf leben zu können.
Ab 2011 schreibe ich regelmäßig Essays für die Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft, die 2022 eingestellt wird. Noch im selben Jahr zieht ChatGPT die Welt in ihren Bann. Hohe-Luft-Gründungschefredakteur Thomas Vasek und ich haben eine Idee… 2023 gründe ich human. Es ist bis heute das einzige Magazin mit internationalem Anspruch, die sich jenseits sektoraler Logiken mit dem Impact von Künstlicher Intelligenz auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft befasst – aus der Perspektive des Menschen, nicht der rasanten technologischen Entwicklung. Mit dem Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit scheint das Absurde keine Grenzen mehr zu kennen. Die Macht der KI auch nicht. Sie betrifft jetzt nicht mehr nur zentrale Fragen der Arbeit und der Bildung – sondern ist plötzlich von zentraler geopolitischer und militärischer Bedeutung.
Die nächste Ausgabe von human erscheint am 30. Mai. | © human
Vor diesem Hintergrund, glaube ich, sollten, müssen sich gerade Philosophinnen und Philosophen intensiv mit den „intelligenten Maschinen“ befassen. Je mehr du über KI weißt, desto besser verstehst du, was „KI können“ wirklich bedeutet. Es ist (paradoxerweise) deine Fähigkeit, dich ganz ohne KI in der Welt zu orientieren. Mit kritischem Selbstdenken, klugen Fragen, guten Argumenten, mutiger, Praxis-relevanter Hypothesenbildung.
Neulich hatten human Co-Chefredakteur Thomas Vasek und ich die Gelegenheit, Taiwans ehemalige Digitalministerin Audrey Tang zu interviewen. Eine extrem mutige Frau, die als Mann geboren wurde und schon als Kind unter einer lebensbedrohlichen Herzerkrankung litt. Als Paradoxie-trainierte Taoistin „erwartete“ sie nichts vom Leben. Sie „tat“ es. Tang brachte sich selbst das Programmieren bei und sorgte in ihrem Amt dafür, dass KI dem Menschen dient (nicht umgekehrt). Heute nutzt Taiwan KI, um demokratische Prozesse zu stärken, nicht um Menschen zu steuern. KI wird als Übersetzungs- und Verständigungshilfe zwischen unterschiedlichen ideologischen Gruppen eingesetzt. Nicht aber als „agentische“, also autonom wirkende KI, die eigenständig Entscheidungen trifft. Die KI-Modelle sind durchwegs „Open Source“. Sie laufen lokal auf Laptops, energieeffizient, transparent und überprüfbar. In Taiwan ist KI ein Tool für kollektive Intelligenz. Und übrigens: Taiwan ist eine der ökonomisch wie technisch höchstentwickelten Nationen der Welt.
Laut Audrey Tang sind es drei Eigenschaften, die der Mensch in die KI-Welt einbringen soll: Autonomie, Beziehungskompetenz und Orientierung am Gemeinwohl. Mit anderen Worten: Das Beste, was wir für uns und die Nachwelt tun können, ist 1) neugierig zu bleiben, selbstständig zu denken und handeln. 2) Offen auf andere zuzugehen, Streit nicht auszuweichen. 3) Mit Blick auf das, was für alle „gut“ ist, zu handeln. „Agency“, „interaction“, „common good“: Diese Werte prägen auch das taiwanische ( auch von John Dewey beeinflusste) Bildungssystem, das auf Mitgestaltung und Zusammenarbeit setzt – ein Lernverständnis, das schon Kinder befähigt, in einer digitalen Welt aktiv und verantwortungsvoll zu handeln. Ohne Zwang. Ohne Kontrolle. Mit Leichtigkeit.
Das Absurde ist ein Gespenst. „Absurd“ existiert nicht. „Absurd“ gibt es nur für rationale, reflektierte Lebewesen, die nicht aufhören können, nach Sinn zu suchen (und beleidigt sind, wenn sie ihn nicht finden). Denk an dein Haustier. Ein Hamster empfindet sein Leben nicht als absurd. Er hat keine Erwartungen. Ein Hamster ist unfähig, mental einen Schritt zurücktreten und sein Leben aus einer größeren, weiteren Perspektive betrachten. Aber wir können das. Du kannst das. Ein Leben außerhalb von Academia ist möglich. Es ist möglich, in der freien Wirtschaft mit Philosophie Geld zu verdienen. Es ist möglich – trotz aller Kontingenzen. Morgen schon könnte alles vorbei sein. Ein Philosophiestudium hilft immer. Ein bisschen Selbstironie ist auch nie verkehrt.
Das Absurde existiert nicht, und das Leben ist ein Thriller.
Rebekka Reinhard, April 2026
Zum Weiterlesen: Nagel, Thomas. „The Absurd“, in: The Journal of Philosophy, B. 8, Nr. 20, 21. 10. 1971, S. 716-727.
Alumnus Dr. Roland Poellinger: Ordnung und Öffnung
Mein Magisterstudium am Institut für Logik und Wissenschaftstheorie schloss ich 2007 mit einer Arbeit über Algorithmen in der Logik ab. Dieser Moment stellt für mich eine entscheidende Wegmarke dar: Mein späterer Doktorvater, Godehard Link, fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, mich im Rahmen einer Promotion mit formalen Kausaltheorien zu beschäftigen. Er traute mir das visuelle Denken in Graphen zu und erkannte mein Faible für die informatischen Aspekte von Bayesnetzen. So begann mein Forschungsprojekt an der spannenden Schnittstelle von Erkenntnistheorie, Informatik und Statistik. Zur gleichen Zeit konnte ich als Tutor meine Leidenschaft für formale Methoden und für die Grundlagen der Berechenbarkeit an neue Studierende weitergeben: Nebenmeiner Vertiefung in formale Kausaltheorien verbrachte ich viele Stunden im alten Computerraum des Instituts in der Ludwigstraße 31. Dort saßen wir konzentriert an den PCs und konstruierten Turing- Maschinen in der Software-Simulation. Stilles Tüfteln, lebhaftes Diskutieren, Frustmomente beim Bugfixing und gemeinsame Erfolgserlebnisse, wenn die Maschine lief. Dieses Arbeiten hat mich geprägt: Das strukturelle Denken, das präzise Kodieren, das visuelle Veranschaulichen und das gemeinsame Problemlösen.
Eine weitere Wegmarke war die Gründung des Munich Center for Mathematical Philosophy (MCMP). Dort entstand ein Arbeitsumfeld, das ich von Anfang an als offenen, interdisziplinären Denkraum erlebt habe – ein Ort, an dem Ideen früh in die Diskussion gingen und durch die Impulse der anderen weiterwuchsen. Parallel zu meiner Forschung über Ursache und Wirkung konnte ich dort die Wissenschaftskommunikation unseres Fachs mit aufbauen. Mit viel Gestaltungsfreiheit gründete ich ein eigenes Medienteam und etablierte eine digitale Bibliothek mit Videoaufzeichnungen unserer Kolloquien und Konferenzen. Diese Öffnung der Wissenschaft war für mich nie ein Nebenprojekt, sondern immer ein zentraler Teil akademischer Arbeit.
Als Research Fellow ermöglichten mir viele Reisen den persönlichen Austausch mit Menschen, die für meinen Forschungsbereich prägend waren. Der längere Aufenthalt in Pittsburgh hat mir auf besondere Weise den Rücken gestärkt – ebenso die Einladungen als Gastdozent nach Pécs (Ungarn) und ans Center for AI Research in Stellenbosch (Südafrika). Das Eintauchen in andere Wissenschaftskulturen, die Perspektivwechsel und die persönlichen Begegnungen mit vielen begeisterungsfähigen Kolleginnen und Kollegen haben meinen Blick auf Forschung und Zusammenarbeit nachhaltig erweitert.
Mit der Geburt meines ersten Kindes stellte sich dann für mich die Frage, wie ich meine wissenschaftliche Tätigkeit mit einem neuen Lebensrhythmus verbinden will. Ich entschied mich 2017/2018 bewusst für eine Aufgabe, mit der ich die Stadt, in der meine beiden Kinder heute aufwachsen, aktiv mitgestalten konnte – und in der ich mein wissenschaftliches Handwerkszeug weiter einbringen würde. So führte mich mein Weg zur Münchner Stadtbibliothek, wo ich heute die digitale Strategie verantworte – als Leiter der Abteilung Media & Digital. Das bedeutet vor allem, langfristige Entwicklungen im Blick zu behalten, technische und organisatorische Fragen zusammenzuführen und gemeinsam mit meinem Team Strukturen zu schaffen, die eine große öffentliche Institution in die Zukunft tragen. Dazu gehören die Planung der technischenInfrastruktur, die Gestaltung digitaler Plattformen und der Aufbau eines Datawarehouses, das unsere Bestandszahlenerstmals systematisch mit anderen Datenquellen zusammenführt. Herausforderungen, bei denen ich auf das Handwerkszeug meiner formalphilosophischen Ausbildung zurückgreifen kann –analytisches Denken, konzeptionelle Präzision und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu ordnen und zu vermitteln.
Ein wichtiger Teil dieser Arbeit zeigt sich in unseren vielfältigen Daten. Bibliografische Metadaten, Nutzungsstatistiken unddigitale Archivobjekte setzen wir neu in Beziehung, öffnen sie und machen sie sichtbar – etwa als Open Content und Open Data. Für mich ist das nicht nur eine Frage von Systematik und Technik, sondern vor allem eine Frage der Datenkultur – der gemeinsamen Verständigung darüber, wie Wissen geordnet, genutzt und verantwortet wird.
Diese Haltung prägt auch meinen Blick auf die Bibliothek als Ort, an dem gesellschaftliche Fragen konkret werden. Wie gelingt digitale Inklusion und Bildungsgerechtigkeit? Wie gestalten wir niedrigschwellig Zugang zu Medien, Informationund Wissen? Als Plattform für Begegnung und Teilhabe bietet die Bibliothek Räume, in denen Menschen an digitaler Kultur partizipieren und an demokratischer Öffentlichkeit mitwirken können. Ich verstehe sie auch als Labor, in dem wir erproben, wie verantwortungsvolle Digitalisierung aussehen kann – beispielsweise der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Es geht darum, gesellschaftliche Auswirkung nachvollziehbar zu machen, indem Technologie hands-on erfahrbar wird – wie beim Tüfteln an den Turing-Maschinen in der Ludwigstraße 31.
Wenn ich heute auf meine Zeit an der LMU zurückblicke, denke ich besonders an den offenen Spirit, an die Menschen – und an den Denk und Gestaltungsraum, in dem wir zusammenarbeiten konnten. 2014 durfte ich eine MCMP-Konferenz in New York organisieren: Bridges 2014. Der Titel sollte ganz bewusst die Idee des interdisziplinären Miteinanders einfangen: Brücken zwischen Theorien, zwischen Instituten, zwischen Perspektiven. Dieser Modus war und ist auch heute eine wichtige Inspiration für meine Arbeit. Tragfähige Strukturen entstehen dort, wo Verbindungen bewusst gestaltet werden.
Dr. Roland Poellinger, April 2026
Neuigkeiten aus der Fakultät
- Neue Professuren: Mit Andrew C. Stephenson und Sebastian Bender begrüßt die Fakultät zwei neue Kollegen im Bereich der Geschichte der Philosophie. Andrew Stephenson arbeitet zur Philosophie Kants und zu systematischen Fragen in Philosophie des Geistes, Erkenntnistheorie, Metaphysik und Logik. Sebastian Bender ist Professor für Philosophie der Frühen Neuzeit. Seine Forschung gilt insbesondere der Metaphysik, Erkenntnistheorie und Philosophie des Geistes der frühen Neuzeit, unter anderem bei Suárez, Descartes, Malebranche, Spinoza, Leibniz, Conway, Locke, Cavendish, Berkeley, Hume und Kant. Besonders hervorzuheben ist sein Buch zu Leibniz’ Metaphysik der Modalität; derzeit arbeitet er unter anderem an einem Buch zu frühneuzeitlichen Theorien der Kausalität.
- Internationale Kooperation: Der Quantenphysiker Lev Vaidman wurde mit einem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet und wird in den kommenden Jahren eng mit unserer Fakultät und der Physik in München zusammenarbeiten – ein wichtiger Impuls für den Austausch zwischen Philosophie und Naturwissenschaften.
- Studium und Lehre: Im Lehramtsbereich wird derzeit ein eigenständiges Hauptfach „Didaktik der Philosophie“ aufgebaut, begleitet von einer neuen Professur. Damit stärken wir gezielt die Ausbildung zukünftiger Philosophielehrerinnen und -lehrer.
- Öffentlichkeit und Vernetzung: Mit einem dichten Programm an Vorträgen, Kolloquien und Konferenzen, etwa im Rahmen des ZEPP, bleibt die Fakultät ein lebendiger Ort des philosophischen Austauschs, auch über die Universität hinaus.