Wenzel Braunfels, M.A.
Doktorand, Sekretariat
Lehrstuhl für Religionswissenschaft, Professur für Religionsphilosophie
Sprechstunde:
Montag bis Donnerstag, jeweils 10-12 Uhr und 14-16 Uhr
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Zur Intention und Auswirkung von Schleiermachers Platon
Die Dissertation befasst sich mit Schleiermachers Platon-Übersetzungsprojekt auf seine Intention und Auswirkungen hin. Die Dissertation will ausdrücklich keine philologische Übersetzungskritik sein; vielmehr stehen die hermeneutisch-kritischen Einleitungen, die Schleiermacher zu den Platonischen Dialogen verfasst hat, im Visier. Vier miteinander verbundene Themen geraten dabei in den Fokus:
1. Die Arbeit am Platon geht Schleiermachers Hermeneutik-Vorlesungen unmittelbar voraus und hat diese entschieden geprägt. Inwieweit Platon Schleiermachers hermeneutische Methode, die er in der Folge insbesondere in Bezug auf die Auslesung des Neuen Testaments zu homiletischen Zwecken gelehrt hat, beeinflusst hat, wird analysiert.
2. In der allgemeinen Einleitung zu den Platonischen Dialogen verwendet Schleiermacher den umfangreichsten Teil auf die Widerlegung aller Erklärungsansätze zur Unterscheidung von Exoterik und Esoterik bei Platon. Die Absage an diese Unterscheidung wirkt auch über ihre öffentlich dargelegte Wiederentdeckung durch Leo Strauss in der Mitte des 20. Jahrhunderts nachhaltig in der akademischen Philosophie.
3. Schleiermacher hat, wie vor ihm kein anderer, radikal die Authentizitätsfrage in Bezug auf die Platonischen Dialoge gestellt und damit bis heute fortgeführte Debatten gestiftet, die allerdings nicht auf gedanklicher bzw. philosophischer, sondern auf sprachlicher bzw. philologischer Ebene geführt werden.
4. Schleiermachers historische hermeneutische Maßgabe, einen Autor besser zu verstehen, als er sich selbst verstand, führt unter Berücksichtigung der genannten Punkte und Schleiermachers Selbstverständnis als protestantischer Theologe, mithin also seinem Offenbarungsglauben, zu der Frage, inwiefern Schleiermacher Platon in philosophischer Hinsicht nicht verstehen konnte oder wollte, und inwiefern sich dies in seiner Übersetzung und seinen Einleitungen niederschlägt.