Dissertationsprojekt: Intentionalität und das Problem der Nicht-Existenz bei Husserl

Seit Franz Brentano mentale Phänomene durch die Eigenschaft der intentionalen Inexistenz charakterisiert hat, kreisen zahlreiche Diskussionen in der analytischen und phänomenologischen Philosophie des Geistes darum, zu verstehen, wie es möglich ist, intentional auf etwas gerichtet zu sein, das nicht existiert (z. B. Pegasus, die größte Primzahl, das perpetuum mobile etc.). Auch Edmund Husserl, ein Schüler Brentanos und der Begründer der Phänomenologie, hat sich in verschiedenen Phasen seines Werkes ausführlich mit dieser Frage beschäftigt. Hierbei handelt es sich insofern um ein philosophisches Problem, als es sich als ein Paradox formulieren lässt: Nimmt man an, dass Intentionalität eine dyadische Relation zwischen einem mentalen Erlebnis/Zustand und dessen Gegenstand ist, muss dieser existieren, da es keine Relation geben kann, bei der ein Relatum nicht existiert. Man steht nun vor der Wahl, entweder aufzugeben, dass Intentionalität eine Relation im herkömmlichen Sinne ist, oder dass wir auf Nicht-Existierendes gerichtet sein können. In meiner Arbeit möchte ich zusammen mit Husserl (und einigen zeitgenössischen Autoren) für Ersteres plädieren. Es soll also gezeigt werden, dass Husserl eine nicht-relationale Theorie der Intentionalität vertritt, derzufolge die Gerichtetheit eines mentalen Phänomens auf dessen intrinsischen Eigenschaften basiert. Eine solche Theorie hat einige Vorteile: zum einen macht sie Intentionalität zu einem wesentlichen Merkmal des Geistes, einem Merkmal, das nicht davon abhängt, ob unsere Bezugnahmen erfolgreich sind oder nicht. Zum anderen vermeidet eine solche Theorie, dass im Falle der Nicht-Existenz ontologisch fragwürdige Verpflichtungen eingegangen werden, z. B. die Annahme von Sinnesdaten bei Halluzinationen oder Illusionen.

Dabei verfolge ich Husserls Weg weitgehend chronologisch anhand von ausgewählten Texten aus der frühen Hallenser Phase bis hin zu dem posthum erschienenen Erfahrung und Urteil (1938). Da für Husserls Analyse der Begriff der Bedeutung eine wichtige Rolle spielt, ist diesem ein eigenes Kapitel gewidmet. Im letzten Kapitel sollen einige Einwände gegen die nicht-relationale Auffassung von Intentionalität diskutiert werden.